Welcher Jeck bist du?

KARNEVALSKOLUMNE. In Kölle gibt es verschiedene Arten von Karnevalsjecken. Solche, die sich das ganze Jahr über auf den kollektiven Frohsinn freuen. Die auch außerhalb der Karnevalssaison Hits von Brings, den Black Fööss und den Höhnern hören und dabei sogar mitsingen. Die spätestens im Herbst mit den Vorbereitungen für die nächsten Kostüme beginnen. Mit einem einzelnen Outfit für die tollen Tage gibt diese Art sich nicht zufrieden. Da braucht es mehr: etwas Neckisches für Weiberfastnacht, etwas Warmes für Zooch und Straßenkarneval. Ebenso etwas Exotisches für Sitzungen und Partys sowie Dramatisches für die Nubbelverbrennung. Nächtelang kreieren und schneidern diese Jecken Verkleidungen, die es so noch nicht gegeben hat.

Weiberfastnacht 1990

Und es gibt Jecken, die keine Lust haben auf Karneval. Die aus den verschiedenen Gründen nicht flüchten, sondern den Trubel auf sich zukommen lassen. Oft wohnen sie mittendrin in den Vierteln, an denen die Veedelszüge vorbeiziehen. Je näher die tollen Tage heranrücken, und je mehr Kölsche Musik sie beim alltäglichen Einkauf hören, desto klarer wird ihnen: Dieses Jahr gibt es kein Entkommen! Ob sie es wollen oder nicht, ihr Kalender füllt sich mit Partyterminen. Dafür sorgt Jeckenart Nummer Eins, sei es durch Überzeugungskunst – „Da darfst du nicht fehlen!“ – oder durch ihre ansteckende Art.

Spätestens an Weiberfastnacht fügt sich Jeckenart Nummer Zwei ihrem Umfeld. Auf dem Speicher sucht sie nach einem geeigneten Outfit. Ist der olle Cowboyhut von irgendwann nicht auffindbar, tut’s auch der Arztkittel des besten Freundes oder Großvaters alter Frack. Um als Karnevalsmuffel nicht aufzufallen investieren viele auch in bunte Plastikverkleidung – große Karnevalsramsch-Anbieter leben davon. Auch Kölns Kneipiers wären ohne sie arm dran, denn oft hält Jeckenart Nummer Zwei die Humba-Tätärä-Dauerberieselung ohne Dauerrausch nicht aus.

So kann es passieren, dass Aschermittwoch – das Ende des Kölner Karnevals – verpasst wird. Loslassen fällt schwer. Einige Jecken müssen, andere dürfen, mit den Folgen der tollen Tage weiterleben. Paare finden oder verlieren sich. Und aus manch einer Jeckenart Nummer Zwei wird im Folgejahr Jeckenart Nummer Eins – in 2021 wohl eher online 😉

Und welcher Jeck bist du ???

Veröffentlicht von

Jannechie Groz

Nennt mich gerne Jo, meine Pseudonyme wechseln von Genre zu Genre. Schreiben ist neben Lesen meine Leidenschaft, die im Teenager-Alter mit Tagebuch begann, meine miserablen Deutschnoten und damit einhergehende Selbstzweifel kaum überlebte und während eines Zeitungspraktikums wiederbelebt wurde. In diversen Schreibwerkstätten lernte ich das Handwerkszeug. Seitdem habe ich viel geschrieben und einiges veröffentlicht. Je nach Laune und Erfordernis schreibe ich fiktiv, journalistisch, lyrisch oder belletristisch - egal was, es macht mir einen Riesenspaß.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s